Was ist Weihnachten? – eine kleine Geschichte, Teil 3

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Was ist Weihnachten?

 

Clara hatte so viel Spaß wie noch nie. Sie trank die beste heiße Schokolade ihres Lebens, unterhielt sich mit Jenny über ihre Männer und spielte mit den Cousins von Tom. Elias und Gerald waren süße kleine Lockenköpfe, die nur Unsinn im Sinn hatten, aber sie erzählten Clara jede Kleinigkeit über Weihnachten. Über das Christkind, über die Geschichte dahinter und, dass sie nicht so daran glaubten, aber andere es taten und das auch gut so war.

Gerald zeigte ihr von Elias geschossene verschwommene Bilder, wie die beiden den Baum geschmückt haben und wie sie mit Weihnachtsmützen und Geschenkpapier herumalberten.

Elias zählte ihre ganzen Traditionen auf. Zuerst gab es das Schmücken des ganzen Hauses mit Lichterketten auf dem Dach und Figürchen überall. Dann folgte das große Plätzchenbacken, wobei den beiden jedes Mal schlecht wurde, da sie zu viel Teig naschten. Einen Tag verbrachten sie auf dem Weihnachtsmarkt, aßen sich durch die verschiedenen Essenstände durch, fuhren mit den Achterbahnen, warfen Bälle nach Dosen, fischten nach Tüten und und und. Es klang nach einer Menge Spaß und Clara nahm sich vor auch noch einen zu besuchen.

Stolz zeigten sie ihr ihre ganze Sammlung an Weihnachtspullis und Weihnachtshosen, sogar Socken mit weihnachtlichen Motiven.

Noch nie hatte sie sich so wohl gefühlt, so geborgen. Ihre Familie hatte so etwas nie gefeiert und sie bedauerte was sie verpasst hatte. Dieses besinnliche Beisammensein erwärmte ihr Herz, mehr als der Kakao ihre Glieder.

Die drei waren so in ihr Gespräch vertieft, dass sie komplett die Zeit vergaßen. Draußen war es schon dunkel geworden und alle wurden schließlich zum Essen gerufen.

Es waren sofort alle da, nur Johann war nicht zu sehen. Clara sah sich nach ihm um, ohne Erfolg.

„Ich habe ihn vorhin noch auf der Terrasse gesehen. So viele Menschen sind wohl nicht seins?!“, sagte Tom, „Wir fangen schon mal an und du machst ihm mal klar, was Weihnachten bedeutet okay? Ich reserviere etwas von der Gans für dich.“

„Danke.“ Sie lief schnell zu der Glastür und trat hinaus in die Kälte. Sie zog sich die Kapuze ihrer Strickjacke tiefer ins Gesicht und ging hinüber zu Johann.

Er saß auf der obersten Stufe einer Treppe, die direkt in den Schnee führte. Er war so weiß, dass er den ganzen Garten nahezu erleuchtete. Johann dagegen verschmolz eher mit dem dunklen Holz der Terrasse.

„Bist du schon zur Eisskulptur geworden?“, fragte Clara und setzte sich neben ihm.

„Nein.“

Einige Sekunden saßen sie schweigend nebeneinander, gerade wollte Clara etwas sagen, als Johann ihr zuvorkam: „Du magst das all hier, stimmts?“

„Ja. Ich finde es wirklich toll. Den ganzen Schmuck, das Zusammensein, die Schokolade.“

„Du bist echt merkwürdig“, murmelte Johann und sah zu ihr herüber.

„Du bist seltsam. Diese netten Leute haben uns eingeladen, in ihr Haus aufgenommen, wie Familienmitglieder und du sitzt schmollend draußen und erfrierst lieber.“

„Ich schmolle nicht. Ich denke nach.“

„Worüber?“

„Uns.“

Sie schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter, der sich sofort bei seinem ernsten Blick gebildet hatte. „Uns?“

„Ich habe vorhin mit Tom geredet. Über Weihnachten, das Glück, seine Beziehung und unsere. Er hat mich gefragt, ob wir ein Paar sind.“

„Und was hast du gesagt?“

„Ja.“

Überrascht sah sie ihn an. Träumte sie? War das alles hier nur ein Traum? Oh man, bitte nicht. Das würde ihr das Herz brechen.

„Ja?“
„Ja. Mir ist was klar geworden dabei. Wie er von Jenny geredet hat, von seinen Gefühlen. Tom und ich sind sehr verschieden, ich bin nicht so nett wie er oder so zuvorkommend. Aber ich habe dieselben Gefühle, wie er sie für Jenny empfindet, für dich.“

Clara starrte auf ihre Stiefelspitzen und klopfte sie aneinander. „Für mich?“

„Ich weiß, ich habe es nie gezeigt. Ich bin ein dämlicher Eisklotz und ein Arschloch, weil ich weiß, was du für mich empfindest und ich dich dennoch so behandelt habe. Das tut mir leid. Ab jetzt werde ich dich so behandeln, wie du es verdienst. So gut, wie ich es nur kann.“ Er redete ganz schnell, aufgeregt.

Das war so untypisch für ihn, dass sie fürchtete er bekam einen Schlaganfall. „Alles okay mit dir?“

„Ja. Ich denke nur, dass wir gerade Zeugen eines Weihnachtswunder werden.“ Er legte eine Hand an seine Wange, kam näher und küsste sie. Im Gegensatz zu seiner Haut waren seine Lippen warm und weich. Erst bei diesem Kuss merkte sie, wie sehr sie ihn liebte. Sie rutschte näher an ihn heran, lehnte ihre Stirn an seine, als ihre Münder sich langsam wieder voneinander lösten.

„Das ist tatsächlich ein Wunder.“

Das schönste Wunder was es geben konnte.

 

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So, das ist der letzte Teil der Geschichte. Ich hoffe, sie hat dir gefallen. Ich wünsche dir alles Gute und einen letzten schönen Weihnachtstag.

Deine Mina

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