Wie mir das Schreiben hilft

„Schreiben ist eine köstliche Sache; nicht mehr länger man selbst zu sein, sich aber in einem Universum zu bewegen, das man selbst erschaffen hat.“
– Gustave Flaubert

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Wie mir das Schreiben half und hilft

 

Nach einem Umzug und einem Schulwechsel wurde ich ziemlich schlimm gemobbt. Ich kam aus der Stadt, war anders und wurde von den Dorfkindern nicht akzeptiert. Täglich wurde ich geschubst, ausgelacht und gehänselt. Einmal landete meine Tasche im Teich und mein Turnbeutel im Müll. Als 10-jährige nahm mich das sehr mit, aber ich konnte mich nicht wehren. Ich ließ es geschehen, wurde dabei immer verschlossener, zog mich zurück und redete nicht über meine Probleme, aus Angst, dass es noch schlimmer werden würde.

Heute ist mir klar, dass ich etwas hätte sagen müssen, dagegen hätte ankämpfen müssen, aber jetzt kann ich es nicht mehr ändern. Die Schäden sind da und ich schlage mich noch immer mit ihnen herum.

Eine gute Sache hatte das alles aber.

 

Schreiben ordnet meine Gedanken

Damals habe ich angefangen Geschichten und Gedichte zu schreiben. Es ist nicht nur mein liebstes Hobby. Damit kann ich mich ausdrücken, meine Gefühle steuern und ich habe das Gefühl die Kontrolle zu behalten. Irgendwann würde ich gerne mein Geld mit Worten verdienen. Es ist für mich der beste Weg meine Probleme zu lösen und mein Leben auf die Reihe zu bekommen.

Hatte ich zum Beispiel eine Auseinandersetzung mit einem meiner Mobber, ließ ich ihn später von der Schule fliegen. Statt ihm kam ein nettes Mädchen ebenfalls aus der Stadt auf die Schule und wir wurden beste Freundinnen.

Wenn ich mich mit meinem Vater gestritten hatte, schrieb ich später eine Geschichte, die von Anfang an anders verlief. An dem Punkt in der wir uns in der Realität angeschrien hatten, nahmen wir in meiner Fantasie einen anderen Weg. Auf dem Papier einigten wir uns friedlich. In echt, redeten wir tagelang nicht miteinander.

In der Jungendpsychiatrie schrieb ich Gedichte von der Sonne und dem Gras, da ich die erste Zeit nicht hinausdurfte.

 

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von damals aus meinem alten Notizbuch

 

Die täglichen Visiten verwandelten sich in meiner Fantasie in ein gemütliches Kaffeekränzchen. Aus der langweiligen Kunsttherapie wurde ein spannender Abendkurs an der Hochschule.

Immer wenn das Leben nicht so verläuft, wie ich es gerne hätte, denke ich mir etwas aus, womit ich zufrieden bin. Ob es realistisch oder vollkommen verrückt ist, ist mir dabei egal. Hauptsache es ist nicht so, wie es in Wahrheit ist. So nehme ich mir selbst die negativen Gedanken und wandle sie in positive um. Das hilft mir damit klarzukommen.

Es muss auch nicht immer etwas Schlimmes stattgefunden haben. Es reicht schon, dass ich einfach schlechte Laune habe oder es wie aus Eimern regnet. Dann setze ich mich an den Computer, höre meine Musik und schreibe etwas Schönes.

Die Sonne strahlt wie ein Honigkuchenpferd, meine Freunde sind um mich und wir haben eine Menge Spaß… oder so ähnlich.

Ich wende also den Skill entgegengesetztes Handeln an. Mache aus dem satten grau ein leuchtendes hellgrün und schon geht es mir wieder besser. Aus dieser Angewohnheit, alles ins Gute zu verwandeln, entstand also mein Hobby. Ich liebe es einfach zu schreiben und tue es jeden Tag teilweise Stunden lang.

 

Einfach etwas tun

Bis ich an diesen Punkt kam, dass es mir wirklich half, habe ich eine Weile gebraucht. Aber jetzt weiß ich, wie ich gegen ein Tief ankämpfen und „es in den Hintergrund schieben kann“. Es verschwindet dadurch zwar nicht, aber es wird erträglicher.

Wie es bei mir das Schreiben ist, ist es bei anderen das Zeichnen, Joggen oder Werkeln. Es ist immer gut etwas aktiv gegen Negatives zu tun, um dem schlechten ein anderes Bild zu geben.

Dein Chef hat dir mal wieder die Spätschicht gegeben?
Mache aus ihm eine lustige Karikatur, setzte ihm Katzenohren auf oder zeichne ihm auf der Toilette. Wichtig: das Toilettenpapier muss alle sein.

Draußen gewittert es?
Zieh dir lockere Sommerkleidung an, mix dir einen Cocktail mit Schirmchen und sieh dir eine Dokumentation über die Karibik an.

Jeder hat andere Interessen und andere Fähigkeiten. Man muss für sich selbst herausfinden, welcher Weg für einen am besten ist, welcher langfristig hilft. Man muss nicht besonders kreativ sein, Sport kann auch helfen um Wut zu verarbeiten.

 

Findet einfach für euch selbst, genau die Methode, die euch in eurem Alltag am besten unterstützt.

 

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